NRW braucht PTA! 2.000 Ausbildungsplätze gefährdet - Kampagne gestartet

Düsseldorf, 15.02.2013. Die PTA-Ausbildung in NRW steht vor dem Aus –
und das trotz einer enormen Nachfrage an ausgebildeten Fachkräften: Stetig steigende Schulgelder sorgen schon seit geraumer Zeit für immer weniger Bewerber. Künftig müssen Schüler bis zu 378 Euro für ihre Berufsausbildung zahlen – monatlich! Denn: Die Landesregierung hat sich jetzt entschlossen, sich bei der Ausbildung vollständig aus der Verantwortung zu ziehen und hat die Streichung der finanziellen Unterstützung bekannt gegeben.

Seit Jahren setzen sich die Apothekerorganisationen des Landes für eine zukunftsfähige und sozial gerechte Neustrukturierung der PTA-Ausbildung ein. Mit der groß angelegten Kommunikationskampagne „NRW braucht PTA!“ nehmen die Apothekerkammern und -verbände jetzt die Landesregierung gemeinsam in die Pflicht und kämpfen für eine Verlagerung der Ausbildung an Berufskollegs, um den völligen Kollaps des attraktiven und zukunftssicheren PTA-Ausbildungsberufes in NRW noch rechtzeitig zu verhindern.

Rund 2.000 PTA-Auszubildende gibt es derzeit in NRW, die ihre Ausbildung an einer der 16 wohnortnahen Lehranstalten absolvieren. Der tatsächliche Bedarf an entsprechend ausgebildeten Fachkräften in Apotheken, Krankenhäusern, Industrie, Versicherungen, Krankenkassen, Laboren und Behörden ist indes viel höher. Schon heute fällt es schwer, den Bedarf des Arbeitsmarktes in NRW zu decken. Schülerinnen und Schüler, die diesen attraktiven und zukunftssicheren Beruf erlernen möchten, müssen ein monatliches Schulgeld von durchschnittlich 200 Euro zahlen. Die Folge: Die Bewerberzahlen sinken schon seit Jahren. Mit der nun beschlossenen Streichung der finanziellen Unterstützung durch das Land verschärft sich das Problem deutlich, das Schulgeld wird an einigen Lehranstalten auf 378 Euro im Monat ansteigen.

Für viele junge Menschen, meist junge Frauen, oftmals mit Migrations-vorgeschichte, eine zu hohe Hürde. Und auch für die Schulen hat dies existenzielle Konsequenzen – schlimmstenfalls führen die rückläufigen Bewerberzahlen dazu, dass der Lehrbetrieb nicht aufrecht erhalten werden kann. Die Lehranstalten in Hagen und in Minden haben nun ihre Schließung bekannt gegeben, weitere Schulen kämpfen ums Überleben.

2.000 Ausbildungsplätze in NRW vor dem Kollaps

Die Landesregierung schafft medienwirksam die Studiengebühren ab und verschlechtert gleichzeitig still und leise die Rahmenbedingungen für andere, wichtige und zukunftssichere Ausbildungen. Die Apothekerorganisationen in NRW erwarten von der Landesregierung, dass sie sich ihrer Verantwortung stellt und ihr eigenes Wahlversprechen, eine kostenfreie Ausbildung von der Kita bis zur Uni zu ermöglichen, auch einhält.

In seiner Begründung für die Streichung des Zuschusses rechtfertigt sich das Gesundheitsministerium damit, dass andere Gesundheitsberufe wie Ergotherapeuten, Logopäden oder Physiotherapeuten ebenfalls nicht vom Land gefördert werden. Gerade diese Begründung sorgt bei der Apothekerschaft und bei den betroffenen jungen Menschen besonders für Irritationen. Schließlich bieten diese Berufe ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten und nicht selten sind sie die Grundlage für eine berufliche Selbstständigkeit mit entsprechendem wirtschaftlichem Erfolg. Auch andere wichtige Berufe des Gesundheitssystems, die das Gesundheitsministerium in seiner Rechtfertigung anführt – beispielsweise Hebammen, Schwestern und Pfleger – werden in der Ausbildung nicht allein gelassen: Für diese Berufsgruppen zahlen die Krankenkassen
und somit die Versichertengemeinschaft.

Keinesfalls kann die Regierung ernsthaft erwarten, dass nun die Apotheken im Land die Gesamtlast tragen – denn immerhin arbeiten nur etwas mehr als die Hälfte der ausgebildeten PTA überhaupt in einer Apotheke. Die Beteiligung der anderen Branchen, die die ausgebildeten Fachkräfte beschäftigen, wird dagegen gar nicht erst thematisiert.

Keine Gesprächsbereitschaft seitens der Landesregierung

Seit Jahren machen sich die Apothekerkammern und -verbände des Landes dafür stark, die PTA-Ausbildung an bereits bestehende, öffentliche Berufskollegs zu verlagern. Mit der Ausbildung an den Berufskollegs, welche ihrerseits ebenfalls mit dramatisch sinkenden Anmeldezahlen zu kämpfen haben, wäre eine sozial gerechte Lösung gefunden, die bereits bestehende Strukturen sinnvoll nutzt. Lehrkräfte, Räume und Verwaltungsstrukturen der Berufskollegs sind bereits vorhanden. Lediglich für den fachlichen Anteil an der Ausbildung bedarf es zusätzlicher Ressourcen. Hier wären die Apothekerkammern und –verbände bereit, wie auch in der Vergangenheit, ihren Beitrag zu leisten. Dabei lägen die Vorteile auf der Hand. die Berufsausbildung wäre für die Schülerinnen und Schüler kostenlos und sie würden gleichzeitig den Fachhochschulabschluss
erlangen, der ihnen neue Türen, Chancen und Möglichkeiten eröffnen
würde.

Entsprechende Bitten um Gespräche an Schulministerin Sylvia Löhrmann blieben indes unbeantwortet. Auch auf Anfragen und Hilfeersuchen an die Ministerpräsidentin des Landes, Hannelore Kraft, wurde nicht reagiert. Dabei gab es ausgesprochen konstruktive Gespräche auf Arbeitsebene mit den zuständigen Ministerien und den fachlich versierten Mitarbeitern.

Schulterschluss der Apothekerorganisationen

Für das gemeinsame Ziel werden die vier Apothekerorganisationen geschlossen und mit aller Entschlossenheit eintreten. Die Kampagnen-Website www.nrw-braucht-pta.de bündelt alles Wissenswerte zum Thema, Fürsprecher können dort eine Online-Petition unterzeichnen. Auch über Facebook und Twitter informieren die Kammern und Verbände umfassend. Ein offener Brief an die Ministerpräsidentin, der am 12.02.2013 versandt wurde, kann hier eingesehen werden.

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