Neujahrsempfang der Apothekerkammer Nordrhein

Neujahrsempfang der AKNR: Gemeinsam und patientenorientiert für eine verbesserte Versorgung

Mit vereinten Kräften für eine zukunftsfähige und patientenorientierte Gestaltung des Gesundheitssystems: Beim traditionellen Neujahrsempfang der Apothekerkammer sprachen sich Kammerpräsident Lutz Engelen und Gastrednerin Barbara Steffens für eine intensivere Kooperation von Ärzten, Apothekern und Pflegeberufen aus. Die zentrale Bedeutung der Apotheken als wichtige Schnittstelle unterstrich Gastrednerin Barbara Steffens, Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen. Kammerpräsident Lutz Engelen hob in seiner Begrüßung zum einen die Stärkung der Apothekerschaft durch das von der Landesgesundheitskonferenz beschlossenen Maßnahmenpaket zur Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) hervor. Zum anderen ging Engelen intensiv auf die Positionierung des Landes im Rahmen der Novellierung der Apothekenbetriebsordnung ein.

Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein

ApBetrO: Optimierung angezeigt

Kritisch bewertete Engelen einzelne Bereiche der Apothekenbetriebsordnung: Zwar sei – insbesondere Dank des Landes NRWs – eine falsche Weichenstellung verhindert worden. Manche Regelungen und Vorgaben erschwerten indes die Versorgung durch den heilberuflichen arbeitenden Apotheker vor Ort. Als Beispiel nannte Engelen die Vorschrift der Barrierefreiheit.

Zweifelsohne sei die Anforderung der Barrierefreiheit notwendig, um Menschen mit Behinderung, alten Menschen mit Gehstock oder Rollator und Personen mit Kinderwagen barrierefrei den Zugang zu Apotheken zu ermöglichen. Da sich Apotheken als Unternehmen mit langer Tradition häufig in alt erbauten Geschäftsräumen befänden, erfüllten diese nicht immer idealtypisch die Ansprüche der heutigen Zeit. „Wir haben diese Problematik mit den Amtsapothekerinnen und Amtsapothekern ausführlich erörtert und hoffen sehr auf eine praxisnahe und der Sicherung der Vor-Ort-Versorgung Rechnung tragende Überwachungspraxis“, führte Engelen aus und betonte: „Es kann und darf nicht sein, dass eine jahrzehntelang ordnungsgemäß betriebene Apotheke aufgrund von Stufen im Eingangsbereich unverkäuflich werden soll. Eine solche ‚Enteignung durch die Hintertür’ kann und darf nicht Ziel einer freien und demokratischen Gesellschaft sein.“ Die Apothekerkammer Nordrhein erwarte daher eine Interpretation mit Augenmaß und werde den Kollegen im Streitfall mit Rat und Tat zur Seite stehen.

AMTS: Schnittstelle Apotheke ausbauen

Ministerin Barbara Steffens gemeinsam mit Kammerpräsident Lutz EngelenDie Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit stellt auch vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eine zentrale Herausforderung dar. Insbesondere mit der Entschließung der Landesgesundheitskonferenz im November vergangenen Jahres ist aus Engelens Sicht eine entscheidende Weichenstellung für die Gestaltung einer sicheren Versorgungsstruktur erfolgt. „Die Landesgesundheitskonferenz hat sich darauf verständigt, die Apotheke als Schnittstelle zu nutzen. Dort sollen alle verordneten Medikamente sowie die Selbstmedikation der Patientinnen und Patienten erfasst werden", erläuterte Engelen. „Die LGK- Entschließung ist Chance und Herausforderung zugleich für eine weitere Stärkung der heilberuflichen, unabhängigen Arzneimittelversorgung durch uns Apotheker."

AKNR: Modell-Projekte gestartet

Wie aktiv die Apothekerkammer Nordrhein auf diesem Gebiet bereits ist, zeigen drei aktuelle Beispiele. Mit PharmCHF startet zum Jahresauftakt ein innovatives Projekt. Im Rahmen des Studienprogramms untersuchen Apotheker und Ärzte, wie durch interdisziplinäre Betreuung die Medikamenteneinnahme und damit die Therapietreue optimiert werden kann. Einbezogen sind ausschließlich ältere Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. „Durch die alleinige finanzielle Unterstützung aus der Stiftung der nordrheinischen Apothekerinnen und Apotheker konnte mit der Förderung der Umsetzungsstudie der Grundstein für dieses einzigartige Projekt gelegt werden“, sagte Engelen. „Ich bin gespannt, auf die PharmCHF-Studie und ihre Ergebnisse.“

Die Arzneimitteltherapiesicherheit steht auch bei drei weiteren AKNR- Projekten im Fokus. „Gemeinsam mit den drei anderen Apothekerorganisationen in NRW bemühen wir uns in Zusammenarbeit mit unserem Ministerium unter Einbindung moderner, elektronischer Medien, Arzneimitteltherapiesicherheit herzustellen“, erklärte Engelen.

Unter dem Titel ATHINA untersuchen Pharmazeuten mit dem sogenannten Brown-Bag-Check die Gesamtmedikation auf ihre Sicherheit. Arzneimittelbezogene Probleme sollen so erkannt werden. Die Feststellung möglicher Dosierungsfehler, Interaktionen und Neben- oder Wechselwirkungen aufgrund von Polymedikation ist auch das Ziel eines Projektes zur Verbesserung der AMTS in Heimen. Über zwei Jahre hinweg arbeiten dabei Apotheken mit stationären Alteneinrichtungen zusammen und etablieren in diesem Rahmen ein Medikationsmanagementsystem. Aus Engelens Sicht ein richtungweisendes Projekt: „Wir möchten zeigen, wie zum einen die unerwünschten Arzneimittelereignisse reduziert und dadurch auch die Arzneimitteltherapiekosten gesenkt werden können. Ziel ist natürlich die flächendeckende Einführung des Modells, bei der die pharmazeutische Leistung honoriert werden muss.“

Honorarsystem: Weiterentwicklung gefordert

Dringenden Handlungsbedarf sieht Engelen in punkto Honorarsystem – „weg von den rein kaufmännischen Vergütungsparametern, wie Packungszahl und Preis, hin zu einem fairen Mix aus jenen bisherigen Parametern, zuzüglich einer Honorierung der pharmazeutischen Versorgungsleistung des Apothekers.“ Hierbei müsse sowohl das Spektrum als auch die Qualität der Versorgung als Parameter in die Honorierung mit einfließen.

Nur entsprechend qualifiziertes Personal kann eine sichere Versorgungsstruktur gewährleisten. Engelen fordert daher, insbesondere aufgrund des hohen Frauenanteils in allen Gesundheitsberufen, für eine funktionierende Work-Life-Balance zu sorgen.

PTA-Ausbildung in NRW: Zukunftsfähige Strukturen benötigt

Die sich dramatisch verändernden Rahmenbedingungen für die PTA-Lehranstalten in NRW betrachtet Engelen mit großer Sorge und hofft auf eine zeitnahe Lösung: „Wir hoffen sehr, dass hier im konstruktiven Dialog eine zukunftsfähige Lösung geschaffen wird, damit auch weiterhin gerade junge Frauen und Jugendliche mit Migrationshintergrund eine qualifizierte, vom Arbeitsmarkt nachgefragte Ausbildung erhalten.“

Weiterhin müsse sichergestellt sein, „dass der berufliche Nachwuchs freies Unternehmertum in der eigenen Apotheke oder Arztpraxis als Chance und nicht als Risiko oder Bedrohung versteht.“

Es bedürfe einer der hohen Verantwortung der Heilberufe entsprechende Vergütung, „die kontinuierlich an die entsprechenden Rahmenbedingungen angepasst wird, sodass freies und unabhängiges heilberufliches Handeln für alle möglich bleibt.“

Perspektive: Gemeinsam die Weichen stellen

Um die Gesundheitsversorgung als komplexen und sektorübergreifenden Prozess zukunftsfähig gestalten zu können sieht Engelen die interdisziplinäre Zusammenarbeit als zentralen Punkt: „Für uns alle gilt, den herausfordernden Weg der gemeinsamen Zusammenarbeit konsequent weiterzugehen. Den richtigen Zeitpunkt allerdings hierzu zu finden, welchen gemeinsamen Schritt man wann geht, das ist schwierig, und allen, die da sagen – und das gilt auch für unseren Kammerangehörigen – „nicht jetzt“, muss klar sein, dass aus „nicht jetzt“ schnell ein „nie“ wird. Wir sollten uns daher alle bemühen, nicht nur unter einem, gleichen Himmel zu leben, sondern auch den gleichen Horizont in dieser Frage zu haben.“

zurück